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MY LONDON DIARY (6)

... und tschüss!

Huch, schon sind acht Wochen vorbei und ich bin mal wieder am Kofferpacken. Dass die Zeit rasend schnell vergangen ist, brauche ich eigentlich nicht nochmal zu erwähnen. Ich tu's aber trotzdem, weil es einfach viel zu krass ist.

In mir eine Mischung aus Abschiedsschmerz und Wiedersehensfreude. War eine schöne Zeit hier in London, viel erlebt und viel gelernt. Und ich kann ja so gar keine Abschiede und deshalb höre ich auch lieber auf bevor die Tränen fließen. Musste mich schon heute auf der Arbeit bei meinen Kollegen zusammenreißen - total bescheuert.

Das Weblog war wie angekündigt dieses Mal nicht so ausführlich, aber ich hatte auch viel zu wenig Zeit. Schön, dass ihr trotzdem alle eingeschaltet habt. Ab morgen bin ich wieder da - live und in Farbe - und wer weiß, wo es mich das nächste Mal hinverschlägt. Ihr seid auf jeden Fall dabei!

Ein letztes Mal einen lieben Gruß aus der unverschämtesten Stadt der Welt! Ich werde sie total vermissen. Cheers!

12.10.07 20:22


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MY LONDON DIARY (5)

8.) Lieblingsthema: Essen

Oh Gott, oh Gott! Wenn ich wieder zuhause bin, werde ich verstärkt und unerbittlich gegen meiner selbst das Fitnessstudio frequentieren (MÜSSEN)! Was Milwaukee nicht geschafft hat, London kann es allemal: Mich in die Verfettung treiben!!! In diesem Land ist es noch viel unmöglicher, sich gesund zu ernähren als in den USA. An jeder Ecke lauern die gemeinen Kalorientrolle: In Fish & Chips und Chicken Escalope Sandwiches, in White Chocolate-Raspberry Muffins und in überbackenen Wraps, im Bananasmoothie und ganz besonders in Double chocolate Cookies. Zu allem gibt es dann die obligatorischen Chips, äh, Crisps. „Ja, dann iss es halt einfach nicht und kauf dir nen Apfel!“ höre ich jetzt kritische Stimmen. Haha! Ich habe es versucht: Es geht nicht! Man kommt an dem Zeug nicht vorbei, es springt einen förmlich aus dem Hinterhalt an und verursacht über das zentrale Nervensystem einen kontinuierlichen Dauerhungerreiz. (So oder so ähnlich muss das funktionieren; wie genau, weiß ich leider nicht, sonst würde ich Gegenmaßnahmen ergreifen). Und Obst ist so verdammt unverschämt teuer, dass einem nicht nur aus chronischem Vitaminmangel und völliger Überfettung schlecht wird, sondern vor allem wegen der Preise. Gleichzeitig wird aber versucht, das Burger-und Bier-inhalierende Volk für gesunde Ernährung zu sensibilisieren. Deshalb hängen in den U-Bahnstationen entlang der Rolltreppen – neben Werbung für Brustvergrößerungen und Nasenkorrekturen – so ermutigende Aufforderungen wie: „Look good naked – eat salad!“ Wirkt nicht. Zumindest nicht bei mir. Ich hänge einfach den Spiegel zu, gebe mich weiterhin selbstbetrügerischen Gedanken hin („Ach, dieses Sandwich ist jetzt aber äußerst gesund, da ist doch eine Gurkenscheibe drauf.“ ) und supersize mich munter weiter bis zur Unkenntlichkeit.

29.9.07 23:05


MY LONDON DIARY (4)

7.) Halbzeit: Touristenspaß und Finanzakrobatik

Ja, is denn scho Weihnachten? Noch nicht ganz, aber fast. Und am Samstag ist die Hälfte meines London-Abenteuers schon wieder vorbei. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht! Und noch unglaublicher, wie schnell das Geld vergeht. Eben noch zwanzig Pfund im Portemonnaie, im nächsten Augenblick total blank. Sie frisst einem die Haare vom Kopf, diese Stadt. Will man sie aus dem „London Eye“ von oben betrachten, kostet einen dieses Vergnügen schlappe 15 Pfund, also knappe 25 Euro. Andere Städte haben Berge oder Türme oder Wolkenkratzer, für die man nichts oder jedenfalls erheblich weniger bezahlt. Grummel! Ich frage mich allerdings, was die London-Leute mit dem ganzen Geld machen, das sie den Touristen aus aller Welt abknöpfen? „Look left“ auf ihre Straßen schreiben? Zeitungen unter BILD-Niveau drucken? Schon mal die Schiedsrichter der EM bestechen? Eins steht jedenfalls fest: Für ihr Wahrzeichen Big Ben verwenden sie es nicht. Da ist nämlich auf dem einen Ziffernblatt durchaus schon mal viertel vor vier, während das andere noch zwölf anzeigt. Ob die arme Queen wohl zu pleite ist, um ihre Uhr reparieren zu lassen? Ein Teufelskreis! Für das Vergnügen, bei Madame Tussaud’s Robbie Williams an den Wachshintern zu greifen, äh, ich meine natürlich, die ganzen schönen und reichen Menschen dieser Welt als Kunstwerke in Wachs zu bewundern, bezahlt man auch noch mal um die 20 Pfund. Aber das ist auch echt sehr interessant. Neben Captain Jack Sparrow und Harry Potter kann man nicht nur die gesamte königliche Familie bestaunen, sondern auch z.B. John Wayne, Shakespeare und Boris Becker. Und dann steht man - nichts Böses ahnend - plötzlich vor Hitler und fragt sich, ob man den nun wirklich sehen wollte. Zum wirklichen Nachdenken regt aber die Tatsache an, dass Gerhard Schröder – als „Deutscher Bundeskanzler“ betitelt -  in der Diktatorenecke neben Saddam Hussein und Kim Jong II steht. Okay, Angela Merkel als Model kann oder will man sich nun auch nicht wirklich vorstellen und wahrscheinlich war woanders kein Platz mehr für den Herrn Schröder, aber so richtig auf dem neuesten Stand scheinen die nicht zu sein, die Wachsfigurentitulierer.

Weitere Beispiele für die völlige Preisübertreibung im Londoner Alltag: Jacke (auf dem Flohmarkt): 145 Pfund, 500g Erdbeeren: 7 Pfund, Käse-Schinken-Sandwich: 3 Pfund, T-Shirt: 20 Pfund, 1 Station U-Bahn fahren: 2 Pfund. Ächz!

Völlig scham- und skrupellos von Nick Hornby inspiriert hier meine persönlichen Top 5 zum (absolut überlebenswichtigen) Geldsparen in London:

1.)    Wohne in Hackney! (Spare 300 Euro im Monat im Vergleich zum Wohnen in anderen Stadtteilen. Nachteil: Ghetto-Charme inklusive)

2.)    Fahre mit dem Bus schwarz zur Arbeit und laufe abends zurück! (Spare 2 Pfund und verliere 200 Kalorien am Tag. Nachteil: bei Regen Erkältungsgefahr, bei Polizeipräsenz Verhaftungsgefahr und bei chronischer oder akuter Faulheit Pech gehabt)

3.)    Ernähre dich von Uncle Ben’s Fertigreis! (Kaufe drei, bezahle zwei! Nachteil: Bei langfristiger Anwendung können Folgen einseitiger Ernährung auftreten: Skorbut, Zahnausfall, Durchfall, Reisallergie, chronische Übelkeit etc.)

4.)    Frühstücke in einem kleinen Diner beim Spitalfields Market! Zu Omelette und Orangensaft gibt es verschimmeltes Brot. Bei Reklamation die doppelte Portion (schimmelfrei) und alles aufs Haus. (gespart: 4,95 Pfund. Nachteil: relativ hoher Ekelfaktor)

5.)    Gehe vor zehn ins „Tiger Tiger“! (gespart: 10 Pfund Eintritt) und lasse dir dann als Annika aus Norwegen Mojitos ausgeben (gespart: 6 Pfund pro Mojito). Nachts mit dem Nachtbus nach Hause statt mit dem Taxi (gespart: 9 Pfund pro Fahrt). Nachteile: keine bekannt.

Ich beherrsche jeden der 5 Punkte bis zur Perfektion, werde allerdings, wenn ich wieder zuhause bin, bis zum Jahresende keinen Reis mehr essen und den bisher nicht ausreichend angehimmelten öffentlichen Verkehrsmitteln Düsseldorfs eine Liebeserklärung machen (bis sie mich wieder 20 Minuten im Regen warten lässt, die 707, die alte Sau!).

 

14.9.07 08:57


MY LONDON DIARY (3)

5. Mitbewohner

Nach anfänglicher Verwirrung habe ich mittlerweile herausgefunden, dass ich sieben Stück davon habe, welche Tür zu wem gehört und wer wie nett ist. Von einigen kriegt man nicht viel mit, mit anderen geht man mal ins Pub an der Ecke einen trinken und ganz allgemein warte ich noch darauf, dass sich mal irgendjemand des Kühlschranks erbarmt, denn ich befürchte, der hat es bald geschafft, seinen gesamten Inhalt zur selbstständig organisierten Küchenflucht zu motivieren. Irgendeine undefinierbare dickflüssige, rosarote (!) Flüssigkeit machte gestern den Anfang und breitete sich nach gelungenem Ausbruch auf den gesamten Küchenboden aus. Kein schöner Anblick! Grüße gehen an dieser Stelle in die Grupello-WG in liebevoller Erinnerung an „the one and only Super-Bowle“. Sie könnte hier noch viel lernen!

 

6. Multikulti

London ist zweifelsohne eine ziemlich riesige Großstadt, in der zweifelsohne ziemlich viele Menschen leben. (Wie viele das tatsächlich sind, merkt man allerdings erst wenn die U-Bahnen bestreikt werden und sich alle Leute, die sich sonst unter der Erde ihre Wege suchen, plötzlich auf den Straßen tummeln. ) Aber wer sind sie eigentlich, diese Londoner? Münchner erkennt man an ihren Lederhosen oder spätestens an ihrem Dialekt, die Einwohner von Barcelona (äh, Barcelonesen? Barcelonaer? Barcelonanten?) daran, dass sie sich weigern, Spanisch zu sprechen. Aber wer oder was ist ein Londoner? Ich habe noch keinen kennengelernt obwohl ich schon viele Leute getroffen habe. Die wohnen auch hier. Aber sie kommen aus Portugal, Frankreich, Kuba, Südafrika, Spanien, Deutschland, Australien, Marokko… Kaum einer ist „richtig“ britisch, außer vielleicht Prince Charles, aber den trifft man so selten. Gibt es überhaupt echte Londoner? Ich werde weitersuchen und wenn ich fündig geworden bin, lasse ich es euch wissen.

Dafür ist London aber überaus multikulturell und dadurch erfährt man viele sehr interessante Dinge, z.B. dass Spanier glauben, Jürgen Klinsmann sei schwul und mit Jogi Löw zusammen , dass es stinkt wenn Taiwanesen kochen, das Endprodukt (nein, ich will nicht wissen, was es war...) dann aber doch recht gut schmeckt, und dass Italiener Memmen sind, die beim Fußball bescheißen (Aber das wusste man ja auch schon vorher… ). Man trifft hier übrigens genauso viele Deutsche wie in Frankfurt auf der Zeil und definitiv erheblich mehr als in der S-Bahn gen Offenbach. 80% der Leute, mit denen man beispielsweise an einem Abend so spricht, ist entweder selber deutsch, war schon drei- bis zwölfmal in Deutschland (eindeutiger Spitzenreiter der besuchten Städte: München. Warum bloß? ) oder „kann“ Deutsch (besonders beliebt hierbei die Worte „Scheiße“, „Achtung“, „eins, zwei, drei“ Die Auswertung dieser Studie hat mich zu einem zugegebenermaßen etwas schizophrenen Selbstversuch veranlasst: Von nun an nicht mehr als Sabine, sondern (skandinavophil wie ich nun einmal bin) als „Annika from Norway“ regte ich mein jeweiliges Gegenüber zum Nachdenken an. Norwegen? Hm, keinerlei Assoziationen. Hilfloses Lächeln. „Norway? Eh, interesting…“ Kein „Aaaaaaah, Germany! Eins, zwei, drei! Scheiße! I’ve been to Munich! Oktoberfest! Beer! Haha!“ Allerdings musste ich zugeben, dass der Versuch weder zu 100% durchdacht, noch bis ins Detail ausgefeilt war, als sich Annika aus Norwegen plötzlich einer spontanen Unterhaltung auf Norwegisch ausgesetzt sah und ihre Tarnung auffliegen lassen musste. Das Projekt „Persönlichkeitsspaltung“ läuft jedoch weiter. Momentan bemühe ich alle meine - nur sehr periphär vorhanden - Stochastik-Kenntnisse, um auszurechnen, wie wahrscheinlich es ist, in London einen Isländer zu treffen. Bis bald, eure Hjördis-Svava!

7.9.07 01:24


MY LONDON DIARY (2)

3. The streets of London

Der schon erwähnte Hundekot ist bei weitem nicht das einzige, was einem auf Londons Straßen so passieren kann. Erstmal ist es natürlich grundsätzlich schon mal gefährlich, diese überhaupt zu betreten ohne ständig wie in Trance nonverbal vor sich hin zu brabbeln: „Sie fahren auf der falschen Seite, sie fahren auf der falschen Seite, sie…“
Dankenswerter Weise waren die Engländer so nett und haben groß und breit „look left“ oder „look right“ auf ihre Straßen gemalt. Dank dieser Hilfe überquere ich mittlerweile routiniert alle Straßen.
Bis ich zu einer Ampel gelange! Seit frühester Kindheit hat man mir beigebracht: „Das rote Männchen bedeutet stehen und das grüne gehen.“ Denkste! Als wäre Linksverkehr an sich nicht schon rebellisch genug, nein, man trotzt hier auch noch der Grundfunktion einer gemeinen Verkehrsampel, indem man als Fußgänger bei grün stehen bleibt und bei rot geht und als Autofahrer grundsätzlich nur dann fährt, wenn die Fußgänger (natürlich nur die, die das Spiel noch nicht durchschaut haben oder die, die farbenblind sind) bei grün die Straße überqueren wollen. Ihr könnt euch also vorstellen, dass das Überleben im Londoner Straßenverkehr eine ernste, nicht selbstverständlich zu nehmende Sache ist, die der vollen Konzentration bedarf: Laufen … rechts, links, rechts gucken … checken, ob eine Ampel da ist … wenn ja - rot bedeutet: Ich kann weitergehen, grün bedeutet: Warten … noch mal checken, ob die Autos jetzt auch wirklich von der Seite kommen, von der man es erwartet … weiterlaufen … puh! Wieder eine Straße lebend überquert! Und in Augenblicken höchster Konzentration passiert es dann schon mal, dass man einen Bus anhalten will (ja, den muss man nämlich winkend anhalten wie ein Taxi, der bleibt nicht an jeder Haltestelle einfach stehen um einen einzusammeln, Pustekuchen!) und dabei aber leider auf der falschen Straßenseite steht: Warum wird der denn gar nicht langsamer?…Hm, der fährt auch so weit rechts… komischer Bus…Hallo? Ich winke doch!... Halt an!!! Weg ist er und der Bus auf meiner Seite der Straße kommt – aus der anderen Richtung! Peinlich, peinlich!

Als wäre dies nicht alles aufregend genug, wird in London auch noch ständig gefilmt. Man läuft also - nichts Böses ahnend, im schlimmsten Fall essend, noch schlafend oder einfach nur blöd aus der Wäsche schauend - die Straße entlang und auf einmal brüllt jemand neben einem „Action!“ oder man steht mit der Mülltüte in der Hand an einer Ampel wartet bis sie grün … äh….rot wird, was genau in dem Moment natürlich eine halbe Stunde dauert während der man dann von ungefähr 20 Kameras beim bemülltüteten Rumstehen gefilmt wird. Tolle Sache. Ich dann demnächst also in einer englischen Soap als Else Kling mit der Mülltüte. Grandios!

4. Notting Hill carnival

Notting Hill ist wahrscheinlich das komplette Gegenteil zu meinem Hackney-Ghetto. Auf jeden Fall ist es „posh“ und schick und „wenn man da wohnt, hat man es geschafft“ (Zitat A.B. aus K.).
Jeder kennt den Film und die blaue Tür und jeder weiß, wie es da aussieht, in diesem Notting Hill.
Letztes Wochenende aber herrschte Ausnahmezustand. Es war Carnival. Ob Carnival wirklich Karneval sein soll und wenn ja, warum der im August ist, kann ich euch nicht sagen. Wirklich verkleidet ist man auch nicht und die „Carnivalswagen“ sind einfach stinknormale LKW. Es ist wohl eine Mischung aus Karneval in Rio (Musik), Karneval in Köln (Bier) und Afrikafestival (Multikulturelles Treiben). Und es ist laut, verdammt laut! Direkt neben so einem Wagen zu stehen führt definitiv zu Tinitus oder Trommelfellverlust und bewegen kann man sich als gemeiner Europäer sowieso nicht zu der Musik. Lustig ist es trotzdem, vor allem wenn man die Leute beobachtet. Da sitzt schon mal eine Familie (Mama, Papa, Kind im Alter von vielleicht vier Jahren und Baby im Kinderwagen) einträchtig bei schallmauersprengendem Lärm auf einer Treppe vor ihrem Haus und während das Kind im Kinderwagen wahrscheinlich schon kein Trommelfell mehr hat, drehen Mama, Papa und die Vierjährige sich  erstmal jeder einen Joint. Kein Witz! Original gesehen und mit offenem Mund bestaunt. Nicht, dass keine Polizei anwesend wäre... Die sind da mit Hundertschaften angerückt und mit Pferden und Wasserwerfern und haben U-Bahnstationen gesperrt. Es gibt also Bobbys im Überfluss und die sind auch alle echt nett wenn du mit einem Stadtplan hilflos zu ihnen kommst und verstört fragst: „Can you tell us where we are? Pleeeease!“ „That’s a good question, I have no idea!“ Dann hilfloses Suchen auf der Karte bis man ihnen schließlich selber zeigt, wo man sich nun vermutet. Ach ja, stimmt! Aber die nächste U-Bahnstation sei gesperrt, da müsse man dann bitte doch bis zur übernächsten laufen. „Kein Problem und wie weit ist das?“ „Good question, I have no idea!“ Überaus hilfreich, die britische Polizei!

30.8.07 21:10


MY LONDON DIARY (1)

  1. Grüße aus dem Ghetto

Würde ich Blechmaske tragen und Sido heißen, gäbe es demnächst ein „Lied“ über „mein Viertel, meine Gegend, meine Straße, mein Zuhause, mein
Block." Yeah! Zum Glück ist dem nicht so und deshalb widme ich lediglich das erste Kapitelchen meines Weblogs dem Viertel, in dem ich hier wohne: Hackney.
Bands, die von hier kommen, heißen Ghetto Luv. Mütter, die hier ihre Babys großziehen, tragen sie bei 12 Grad Außentemperatur nur mit einer Windel bekleidet durch den Regen. Hunde, die hier allesamt diarrhös veranlagt zu sein scheinen, verrichten grundsätzlich ihre Geschäfte quer über den Gehweg verteilt und die Vorgärten, in denen man als ahnungsloser Kontinentaleuropäer echten englischen Rasen erwartet, bestehen aus bloßem Beton.
Wenigstens weiß ich jetzt, warum mein Zimmer so billig ist.

2. Einblicke in meinen Job

Die Übersetzungsagentur, in der ich arbeite, ist in einem ganz kleinen Büro in einem dieser ganz kleinen britischen Häuser, in denen man nie mehr als zwei Besucher gleichzeitig empfangen kann. Deshalb arbeiten wir da auch nur zu viert. Allerdings gibt es an die hundert Übersetzer, die von zuhause – also von Korea bis Australien – für die Agentur übersetzen. Ich als Praktikantin bin momentan damit beschäftigt, marketingmäßig alle möglichen britischen Firmen anzurufen und zu fragen, ob wir ihnen ein Prospekt von uns schicken dürfen. Dabei bin ich mittlerweile zum Exceltabellen-Briefmarkenklebe- und Briefefaltprofi aufgestiegen.

Mein persönlicher Lieblingsteil dabei ist aber, in Schottland anzurufen - was durchaus öfter vorkommt. Dann sitze ich am Telefon und bete inständig, dass der Schotte am anderen Ende sagt, dass er „not interrrrrrrrested“ (mit zehnfach gerolltem „r“ ) ist, so dass ich ihn nichts anderes mehr fragen und vor allem nichts anderes mehr von ihm hören muss. Ich könnte ebenso gut irgendwo in der chinesischen Provinz oder in Timbuktu anrufen und würde dabei genauso viel verstehen – nämlich NIX. Die spinnen, die Schotten!
Teil 2 meines Tages als Praktikantin besteht dann aus Übersetzen und Korrekturlesen, was auch wirklich interessant ist.

Fazit: Ich habe bisher gelernt, dass Übersetzer durchaus gut verdienen können (was jetzt natürlich meine Karriere-Pläne als Putzfrau und/oder Taxifahrerin durcheinanderbringt), dass schwarzer Tee saulecker schmeckt wenn man ihn völlig überzuckert und dass meine Kollegen meinen mühsam angeeigneten Wisconsin-Accent in „The Queen’s English" verwandeln wollen.

Demnächst mehr von eurem zwangsbritisiertem Bienchen...

24.8.07 00:32





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